Német haladó nyelvlecke: Oma wird religiös

Szövegértés, szókincsfejlesztés: Multikulturalität

(Alia Begisheva írása: “Oma wird religiös”)

Sie hatte ein harmonisches Familienleben. Bis ihre Oma sich in Glaubenssachen neu orientierte….

Eigentlich bin ich Tatarin und damit Muslimin. Aber ich wuchs in Moskau auf, in einer typisch sowjetischen Familie, in der Religion nie eine besonders große Rolle gespielt hat. Bei uns wurde immer Russisch gesprochen, Schweinefleisch gegessen und Wodka getrunken, und nie hat einer von uns eine Moschee von innen gesehen. Meine Oma ging sogar so weit, sich nur noch als Olga Konstantinowna vorzustellen, weil dieser Name für die Russen viel verständlicher ist, als ihr richtiger, Alia Husainowna.

Seit es die Sowjetunion nicht mehr gibt, ist Religion in Russland wieder im Kommen. An islamischen Feiertagen etwa darf der oberste Mufti des Landes jetzt eine Fernsehansprache halten. Auf ihre alten Tage hat ihn meine Oma erhört.

Als sie 85 Jahre alt wurde, hat sie aufgehört, Schweinefleisch zu essen. Mehr noch: Sie behauptet sogar, nie in ihrem Leben ein Stück Schinken angerührt zu haben, obwohl es in den Familienalben genügend Fotos gibt, die das Gegenteil beweisen. Manchmal, wenn ich sie anrufe, sagt sie vorwurfsvoll: „Vor ein paar Tagen hatten wir einen wichtigen Feiertag. Alle meine Freundinnen haben mir gratuliert.” Ich überlege hastig, ob sie wohl das Ramadan-Fest zum Ende des Fastenmonats meint oder einen anderen, mir noch vollkommen unbekannten Feiertag. Ausreden akzeptiert die Oma nicht: „Du hast doch türkische Freunde in Deutschland. Die müssen das doch wissen.”

Eine Freundin hat der Oma einen roten Aufkleber geschenkt, auf dem in goldfarbenen Buchstaben irgendetwas auf Arabisch steht. Meine Oma kann, soweit ich weiß, kein Arabisch. Den Aufkleber hat sie aber auf die Tür ihres Nachttischchens geklebt.

Abends, bevor sie ins Bett geht, betet die Oma jetzt vor diesem Aufkleber, mit einer Gebetskette in der Hand, die sie auch geschenkt bekommen hat.

Seit mein Vater eine neue Freundin hat, ist bei uns zu Hause in Moskau ein religiöser Konflikt entbrannt. Die Freundin ist nämlich Georgierin und damit Christin. Um ihren Hals trägt sie ein Kreuz an einer Goldkette. Das konnte die Oma nicht auf sich sitzen lassen.

Sie hat sich aus einem alten Silberlöffel einen Halbmond mit Stern anfertigen lassen, der jetzt demonstrativ auf ihrer Brust prangt. Und wenn die Freundin meines Vaters irgendetwas kocht, verdächtigt die Oma sie, Schweinefleisch verwendet zu haben.

Neulich ist es passiert. Ein Mann rief bei ihnen zu Hause an und fragte nach der Freundin meines Vaters. Die Oma, die nicht mehr so richtig hört, hat verstanden, dass dieser Mann ein Pope sei. Und weil mein Vater sich vor einigen Monaten eine Datscha gekauft hat, hat die Oma sich zusammengereimt, dass der Pope bestellt wurde, um diese Datscha zu weihen. Seitdem herrscht zu Hause der Dschihad. Die Oma spricht nur noch Tatarisch. Die Freundin meines Vaters versteht sie nicht und ist sauer. Mein Vater versucht, Neutralität zu bewahren. Und ich sage immer nur „Yok”, Nein, wenn die Oma neuerdings verlangt, dass ich einen tatarischen, muslimischen Mann heiraten soll.

Szószedet:

ist etwas wieder im Kommen –  újra visszatér, újra divat vmi

eine Fernsehansprache halten – televízióban beszédet tart

erhören, h. – meghallgat vmit

anrühren, h. – megérint, hozzányúl (recepteknél: elkever)

das Familienalbum, tsz. Familienalben – családi fényképalbum

vorwurfsvoll – szemrehányó(an)

hastig – sietve

der Aufkleber – matrica

kleben, h. – (fel)ragaszt

ein Konflikt entbrennen, entbrannte, h. entbrannt – kitör a konliktus

die Georgierin – grúz (nő)

die Christin – keresztény (nő)

anfertigen, h. – elkészít, megcsinál

prangen, h. (mit+D) – kérkedik, büszkélkedik (vmivel)

verdächtigen, h. – gyanúsít

jn des Diebstahls verdächtigen – lopással gyanúsít vkit

der Pope, -n – görögkeleti pap, pópa

zusammenreimen, h. – belső összefüggést megért, egybevág

weihen, h. – fel-/megszentel

der Dschihad – szent vallási háború a muszlimoknál

sauer – mérges, keserű, savanyú

bewahren, h. – meg{óv/-tart}

neuerdings – újabban, legutóbb, nemrégiben